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Schlaf und Gedächtnis

Ohne Schlaf kein Gedächtnis, keine Konzentrationsfähigkeit und kein motorisches Bewegungslernen. Wir lernen im Schlaf.

Einerseits steuert das Gehirn den Schlaf, indem vielfältige, präzise Mechanismen in ihm ablaufen. Anderseits hat der Schlaf wichtige Funktionen für die Leistungsfähigkeit des Gehirns – insbesondere in der Verarbeitung und Speicherung von Gedächtnisinhalten.

Aktuelle Studien der Schlafforschung belegen, dass das Gehirn den Schlaf nutzt, um Eindrücke, Erlebnisse und Informationen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis zu übertragen. Dort werden sie mit bereits vorhandenen Inhalten verknüpft und abgespeichert.

Im Schlaf kann das Gehirn Gedächtnisinhalte ungestört abspeichern, weil es nicht gleichzeitig aktuelle Sinneseindrücke aufnehmen muss. Im Zentralen Nervensystem werden offensichtlich dieselben neuronalen Netzwerke für die akute Verarbeitung von Reizen wie auch für die Speicherung genutzt.

Der Schlaf ist – zumindest teilweise – Voraussetzung dafür, dass wir etwas in Erinnerung behalten. Dies betrifft auch die Weiterverarbeitung von Lösungsstrategien bei komplizierten Testaufgaben mit verborgenen Regeln. In wissenschaftlichen Arbeiten konnte nachgewiesen werden, dass durch Schlaf – im Gegensatz zum Nichtschlaf – signifikant besser und schneller Lösungen gefunden wurden.

Die Abspeicherung von Inhalten, Emotionen und Eindrücken geschieht in unterschiedlichen Stadien des Schlafes. Das gleiche gilt für das Lernen motorischer Bewegungsabläufe.

So wie das Gehirn offensichtlich Tiefschlafphasen zur Abspeicherung von Gedächtnisinhalten nutzt, werden in der Traum- oder REM-Schlafphase koordinative Bewegungsabläufe in den dafür zuständigen Gehirnarealen verankert. Bewegungen, die so oft wiederholt werden, dass sie automatisch ablaufen, werden schwerpunktmäßig vom so genannten Extrapyramidalen System gesteuert, in dem sie fest verankert sind. Dies erklärt auch, warum es so schwierig ist, automatisch ablaufende Bewegungen um oder neu zu lernen.

Die heutigen Erkenntnisse der Schlafmedizin sind insbesondere für Menschen relevant, die in ihrem Beruf hohen kognitiven Anforderungen ausgesetzt sind, denen Höchstleistungen an Gedächtnis, Konzentration und Aufmerksamkeit abverlangt wird, die viele Eindrücke und Informationen aufnehmen und verarbeiten müssen. Relevant sind diese Erkenntnisse auch für Menschen, die Höchstleistung in körperlich orientierten Berufen oder sportlichen Disziplinen (zum Beispiel Skifahren, Tennis, Golfen, Fußballspielen) abliefern.

Der „Erholsame Schlaf” ist eine wesentliche Quelle für langfristige körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Der Ermittlung von Zusammenhängen zwischen Gedächtnisleistung und Schlaf kommt bei ProSomno besondere Bedeutung zu.

Aber nicht nur für die Verarbeitung und Festigung von am Tage erworbenen Inhalten und erlernten Bewegungsabläufen ist der „Erholsame Schlaf” wichtig, sondern auch für die gesamte Aktivierung des Zentralen Nervensystems am Tage. Dabei sind unter anderem folgende Zustände unseres Bewusstseins von entscheidender Bedeutung:

Vigilanz bedeutet die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf einem höheren oder sehr hohen Niveau zu halten.

Geteilte Aufmerksamkeit beschreibt die Fähigkeit zur schnellen, automatisierten und kontrollierten Informationsverarbeitung einschließlich der Fähigkeit zu serieller und paralleler Handlungsbereitschaft, wie zum Beispiel beim Autofahren in unübersichtlichen, verkehrsreichen Situationen oder die Aufnahme vielfältiger Einflüsse etwa in einem Verhandlungsmarathon.

Selektive Aufmerksamkeit bezeichnet die Fähigkeit, „aus der Summe aller einströmenden Reize eine Auswahl relevanter Fakten zu treffen.” Als klassisches Beispiel gilt hier der Bankangestellte, der kurz vor Schalterschluss unter erhöhtem Zeitdruck die Abrechnung der Kasse vornehmen muss. Vergleichbares gilt aber auch für den Chirurgen bei einer akuten Operation mit Komplikationen oder auch für die Arbeit eines Fluglotsen.

Für die notwendige Verfügbarkeit aller menschlichen Fähigkeiten ist ein ausgeglichener, „Erholsamer Schlaf” entscheidend.

Werden Menschen bei gleichen Grundvoraussetzungen in diesen Bereichen gefordert, wird derjenige, der einen ausgeglichenen und „Erholsamen Schlaf” hat, einen entscheidenden Vorteil haben im Vergleich zum Schlechtschläfer, der oft nicht bewusst registriert, dass seine verminderte Leistung aus einem Schlafproblem resultiert.

Genauso wichtig wie eine Kontrolle der Herzfunktion, der Funktion der Bauchspeicheldrüse oder der Leber ist, so ist auch die Kontrolle des Schlafes von großer Bedeutung. Das Bewusstsein für Schlaf als Dimension für Gesundheit und Leistungsfähigkeit entwickelt sich zurzeit in einem schnellen Tempo und erlaubt gesundheits- und vitalitätsbewussten Menschen eine Abklärung seiner fundamentalen kognitiven Strukturen.

Für viele Menschen kann eine Untersuchung des Schlafes verblüffende Ergebnisse und wichtige therapeutische Empfehlungen bringen.